„Und was mache ich hier eigentlich?“
Warum der betriebliche Ausbildungsplan die beste Antwort im Vorstellungsgespräch ist
In fast jedem Vorstellungsgespräch für eine Ausbildung zur Fachinformatikerin oder zum Fachinformatiker kommt irgendwann dieselbe Frage: Wie sieht die Ausbildung bei Ihnen eigentlich aus?
Hinter dieser Frage steckt mehr als Neugier. Wer sich bewirbt, ist meist jung und hat von anderen gehört, wie Ausbildung auch laufen kann. Die eigentliche Sorge lautet: Werde ich hier etwas lernen, oder bin ich drei Jahre lang die günstige Kraft am Telefon? Ganz unbegründet ist sie nicht. Fragt man Auszubildende nach den Gründen für eine vorzeitige Vertragslösung, nennen sie vor allem betriebliche Gründe, etwa Konflikte mit Ausbildern oder eine mangelhafte Ausbildungsqualität, also Beschäftigung statt Ausbildung (BIBB, Vorzeitige Vertragslösungen, S. 12 f.).
Betriebe, die darauf nur mit „Sie lernen bei uns alles, was Sie brauchen“ antworten, verschenken eine Chance. Überzeugend ist, wer konkret zeigen kann, welche Tätigkeiten wann auf dem Plan stehen und wie Wissen vermittelt wird. Genau dafür gibt es den betrieblichen Ausbildungsplan.
Drei Ebenen, die zusammenpassen müssen
Die Ausbildung in der Fachinformatik stützt sich auf drei Grundlagen:
- Die Ausbildungsordnung mit dem Ausbildungsrahmenplan. Seit der Neuordnung der IT-Berufe gilt die Fachinformatikerausbildungsverordnung (FIAusbV), in Kraft seit dem 1. August 2020. Sie legt fest, welche Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten der Betrieb vermitteln muss, gebündelt in Berufsbildpositionen mit zeitlichen Richtwerten für den 1. bis 18. und den 19. bis 36. Monat. Zehn Berufsbildpositionen gelten für alle vier Fachrichtungen gemeinsam (§ 4 FIAusbV): Anwendungsentwicklung, Systemintegration, Daten- und Prozessanalyse sowie Digitale Vernetzung.
- Der Rahmenlehrplan der Kultusministerkonferenz für die Berufsschule, beschlossen am 13. Dezember 2019. Er ist in Lernfelder gegliedert und bestimmt, was im Unterricht behandelt wird.
- Der betriebliche Ausbildungsplan. Ihn muss jeder Ausbildungsbetrieb spätestens zu Beginn der Ausbildung für jede und jeden Auszubildenden erstellen (§ 6 FIAusbV). Schon der Ausbildungsvertrag muss die sachliche und zeitliche Gliederung der Ausbildung enthalten (§ 11 BBiG). Er übersetzt den Rahmenplan in den eigenen Betrieb.
Die ersten beiden Ebenen sind vorgegeben. Die dritte liegt vollständig in der Hand des Betriebs, und genau dort entscheidet sich, ob eine Ausbildung gelingt.
Themenblöcke statt starrem Zeitplan
Ein guter betrieblicher Ausbildungsplan gliedert die Inhalte nach Themenblöcken, zum Beispiel Arbeitsplatz und Endgeräte, Netzwerk, Serverbetrieb, Programmierung, Datenbanken, IT-Sicherheit oder Kundenkommunikation. Welche Tätigkeiten in welchen Block gehören, ergibt sich aus dem Ausbildungsrahmenplan und aus den tatsächlichen Aufgaben im Betrieb.
Die zeitliche Reihenfolge bleibt bewusst flexibel. Die Verordnung erlaubt ausdrücklich, von der Organisation des Rahmenplans abzuweichen, wenn betriebspraktische Besonderheiten oder Gründe in der Person der Auszubildenden es erfordern (§ 3 Abs. 1 FIAusbV). Wer schon Linux-Erfahrung mitbringt, kann früher in den Serverbetrieb. Wer bei Netzwerken noch unsicher ist, bekommt dort mehr Zeit.
Einen festen Punkt gibt es trotzdem: Teil 1 der Abschlussprüfung findet im vierten Ausbildungshalbjahr statt (§ 7 Abs. 2 FIAusbV). Geprüft wird in allen Fachrichtungen das Einrichten eines IT-gestützten Arbeitsplatzes (§ 9), und das Ergebnis zählt mit 20 Prozent zur Gesamtnote (für Systemintegration zum Beispiel § 24). Die Inhalte dafür sollten bis dahin sicher sitzen.
Flexibilität entsteht nicht von allein
In der Praxis passen Berufsschule und Betrieb selten nahtlos zusammen. Der Unterricht ist an den Rahmenlehrplan und die Lehrpläne der Länder gebunden und folgt seinem eigenen Takt, unabhängig davon, was im Betrieb gerade ansteht.
Den Ausgleich muss der Betrieb schaffen. Nur ist nicht jeder Betrieb von sich aus flexibel. In einer Behörde oder einem großen Unternehmen sind Abläufe, Zuständigkeiten und Freigaben oft genauso fest geregelt wie der Unterricht in der Schule.
Genau hier hilft der betriebliche Ausbildungsplan. Er legt vorab fest, welche Themen vermittelt werden, wer dafür zuständig ist und wie sich die Reihenfolge an den Lernstand anpassen lässt. Damit wird Flexibilität zum geplanten Teil der Ausbildung statt zur spontanen Ausnahme, die erst genehmigt werden muss. Der Plan greift auf, was in der Schule gerade behandelt wird, vertieft es an echten Systemen und schließt Lücken, bevor sie zum Problem werden. So entsteht aus zwei Lernorten eine zusammenhängende Ausbildung.
Was ohne Plan passiert
Viele Ausbildungsplätze sind gut gemeint. Der Betrieb braucht Nachwuchs, stellt ein und nimmt sich vor, den Rest im Alltag zu regeln. Im Alltag fehlt dann die Zeit.
Die Folgen zeigen sich früh: Auszubildende erledigen, was gerade anfällt, sehen keinen roten Faden und verlieren die Motivation. Im ungünstigen Fall wird der Ausbildungsvertrag vorzeitig gelöst. Die Statistik unterscheidet dabei zwischen Vertragslösung und Ausbildungsabbruch, denn viele wechseln nur den Betrieb (BIBB, S. 7). Für den Betrieb ist die Nachwuchskraft trotzdem weg. In der Praxis erleben wir außerdem etwas, das Betriebe noch mehr schmerzt: Gerade die talentierten Auszubildenden schließen erfolgreich ab und entscheiden sich danach gegen ein Angebot ihres Ausbildungsbetriebs.
Damit verliert der Betrieb genau die Fachkräfte, in die er drei Jahre investiert hat.
Was ein guter Ausbildungsplan leistet
- Im Vorstellungsgespräch: Er gibt eine konkrete, glaubwürdige Antwort auf die Frage, was die Ausbildung bietet
- Für die Auszubildenden: Er zeigt, wo sie stehen und was als Nächstes kommt
- Für die Ausbilderinnen und Ausbilder: Er macht Aufgaben und Zuständigkeiten klar, auch wenn mehrere Personen ausbilden
- Vor der Prüfung: Er macht Lücken sichtbar, solange noch Zeit ist, sie zu schließen
- Nach der Ausbildung: Er erhöht die Chance, dass gut ausgebildete Fachkräfte im Betrieb bleiben
Fazit
Ein betrieblicher Ausbildungsplan ist Pflicht. Ob er in einer Schublade liegt oder die Ausbildung tatsächlich steuert, entscheidet der Betrieb. Wer ihn ernst nimmt, gewinnt im Vorstellungsgespräch an Glaubwürdigkeit und am Ende motivierte Fachkräfte, die bleiben wollen.
Zum Weiterlesen
- Ausbildung gestalten: Fachinformatiker/Fachinformatikerin, Umsetzungshilfe des Bundesinstituts für Berufsbildung mit Erläuterungen und Praxisbeispielen für Ausbilder, kostenlos als PDF
- Fachinformatikerausbildungsverordnung mit Ausbildungsrahmenplan und zeitlichen Richtwerten
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